Die Philosophie der Lehren des Islam – Bericht vom Vortrag in der Bait-un-Nasr-Moschee Köln 

Die Ahmadiyya-Gemeinde ist nach eigener Aussage die am schnellsten wachsende muslimische Gruppierung. Von den großen Rechtsschulen wird sie aber nicht anerkannt: Ahmadiyya-Muslime müssen sich in vielen islamischen Ländern under cover treffen. Bei der Hadsch müssen sie ihre wahre Ausrichtung verschweigen, weil ihnen in Saudi-Arabien die Todesstrafe drohe. Im Gegensatz zu den meisten Muslimen erwarten sie die Ankunft des Messias, des Imam Mahdi, nicht mehr – der sei nämlich vor 100 Jahren bereits in Indien erschienen. Ein junger Mitarbeiter der Moschee erklärt mir, dass die Ahmadis glauben, Jesus sei nicht am Kreuz gestorben und aufgefahren in den Himmel, weil das unlogisch sei. Er ist vom Kreuz befreit worden, nach Indien gereist und habe dort die verlorenen Stämme Israels unterrichtet. Ebendort wurde dann als Reinkarnation von Jesus der Imam Mirza Ghulam Ahmad geboren – der dann irgendwann gemerkt hat, dass er selber der Messias ist. Weil diese Annahme der Lehrmeinung des Islam, Mohammed sei der letzte Gesandte, widerspricht, werden die Ahmadiyya-Muslime angefeindet.



Der Polizist erwähnt auch, dass die Ahmadiyya die einzige islamische Gruppierung sei, die im Verfassungsschutzbericht als “nicht gewaltaffin” bezeichnet wird. Von Gewalt und Zwang im Glauben distanziert sich der Redner wiederholt, auch das Verbot der Salafisten und der “Lies”-Aktionen durch das Innenministerium befürwortet er ausdrücklich.

Die Gemeinde leiste große Arbeit darin, das Bild vom Islam zu korrigieren, durch Lesungen, Vorträge, Baumpflanzungen, Jugendarbeit – und kostenlosem warmen Essen bei Aufklärungsveranstaltungen wie diesen.

Foto: Munib Ahmad


Bevor es zu essen gibt, werde ich noch ausführlich über diese Ausrichtung des Islam informiert – über die Lehre von der Gleichstellung von Mann und Frau, dass es keinen Kopftuchzwang gibt, dass die Ahmadiyya die wahre und ursprüngliche Lehre der einzig wahren Religion ist – während die anderen mit der Zeit “verkrustet” seien wegen des Machtstrebens der Mullahs. Das Kalifat selber strebe keine weltliche Macht an und sehe sich als spirituelles Reich, um das Leben der Menschen besser und friedlicher zu machen. Das Motto der Ahmadiyya ist “Liebe für alle, Hass für keinen”.

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© Gunnar Kaiser 2020 | Cologne | Germany